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Freiräume für Bildung Schule und Architektur im Dialog- EINE VIRTUELLE AUSSTELLUNG

STATION 3

ALTE RÄUME NEU DENKEN

Schulen sind Jahrhundertgebäude. Dennoch müssen sie stets neuen pädagogischen, gesellschaftlichen und baulichen Anforderungen gerecht werden. Schulgebäude zu modernisieren und zu erweitern, bietet die Chance, Räume neu zu denken – Bewährtes zu bewahren und doch zeitgemäße Lernlandschaften zu schaffen. Verbindungen zwischen Alt- und Neubauten können Transparenz, Sichtbeziehungen und Begegnungsräume eröffnen.

Seit den 1920er Jahren gilt Leipzig als Zentrum reformpädagogischer Schularchitektur. Prägend für diese Entwicklung war der Architekt Hubert Ritter, Stadtbaudirektor von Leipzig seit 1924. In einer Zeit, in der Bildung neu gedacht wurde, schuf er mit dem Leipziger Schultyp ein neuartiges architektonisches Konzept, das bis heute als wegweisend gilt. Optimale Belichtung, gute Belüftung und die Einbindung in die natürliche Umgebung waren bereits damals prägend.

Alt und Neu auf einem Campus — Mit der Quartiersschule Ihmelsstraße ist ein moderner Campus entstanden, der das sanierte Bestandsgebäude der ehemaligen Hermann-Liebmann-Schule mit Neubauten für ein Gymnasium und eine Oberschule verbindet. Mensa und Sporthalle ergänzen das Ensemble.

Vom Plattenbau zum bunten Lernort — In mehreren Bauetappen wurde das Werner-Vogel-Schulzentrum bis 2022 schrittweise neu gestaltet. Dadurch entstanden unter anderem zwei moderne Klassenzimmer. Vom damaligen Plattenbau ist heute nichts mehr zu sehen.

Musik verbindet — Diesmal sind es die sanierten Räume des ehemaligen Wohnhauses von Robert und Clara Schumann, des heutigen Schumann Hauses, die neu gedacht wurden. Der Klangraum wird für den Musikunterricht der Clara-Schumann-Schule genutzt – abends und am Wochenende dient er dem Museum als Veranstaltungsort. Der Blick in den Flur zeigt, wie Schule und Museum ineinander übergehen.

Historische Gebäude kindgerecht — Das forum thomanum liegt auf dem Gelände der ehemaligen Lutherkirchgemeinde. Der Neubau bietet helle Klassen, Fachräume für Musik, Medien und Handwerk. Der sanierte Altbau dient als Hort mit Bühne und Kreativräumen. Er wurde an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst, wie der Handlauf verdeutlicht.

Ein Lerncampus mit Geschichte — Die Leipzig International School zog 2001 in das erste, 1891 eröffnete Gymnasium in Schleußig ein. Anstelle der alten Turnhalle entstand 2006/07 ein tieferliegender Neubau mit Sport-, Veranstaltungs- und Unterrichtsräumen sowie einer Dachterrasse. Die Brücke dazwischen führt auf das Dach des Neubaus, das den Campus geschickt erweitert.

Wegbereiter des modernen Schulbaus — Hubert Ritter (1886 – 1967) war von 1924 bis 1930 Stadtbaurat in Leipzig. Er entwarf den ersten Generalbebauungsplan der Stadt und entwickelte mit dem Leipziger Schultyp ein reformpädagogisch inspiriertes, zukunftsweisendes Schulbaukonzept.

Der Leipziger Schultyp — Die heutige Schule Ratzelstraße, das Berufliche Schulzentrum (oben) und die Schule am Palmengarten (unten) sind prägende Beispiele dieses Schultyps. In grüner Umgebung errichtet, zeigen sie mit direkten Zugängen ins Freie das damalige Ideal offener Lernarchitektur. Eine zentrale Doppelturnhalle, erkennbar an den markanten Spitzdächern, diente auch als Speisesaal, Aula und Versammlungsraum.

Licht, Luft und Natur — Mit diesem Motto lässt sich der Leipziger Schultyp am besten charakterisieren. Die Schulgebäude sind in Nord-Süd-Richtung angelegt. So erhalten sie Sonnenlicht über den ganzen Tag hinweg. Besonders die Schule am Palmengarten profitiert von der Lage an der Kleinen Luppe mit beruhigter Umgebung und Naturnähe.

Sachlich und transparent — Durchgängige Glasfassaden der heutigen Schule am Palmengarten lassen viel Licht in Klassenräume und Flure und schaffen Transparenz. Klare, funktionale Bauformen prägen das Erscheinungsbild des Gebäudes. So ist noch heute die architektonische Idee des Funktionalismus und der Sachlichkeit der 1920er Jahre erkennbar.

Hauptsache hell und luftig — Am Ende des Flures öffnet sich ein heller Freilernbereich. Großzügige Glasfronten zwischen Klassenräumen und Fluren leiten das einfallende Tageslicht weiter – bis in die gegenüberliegenden Räume. Obergadenfenster lassen sich öffnen und sorgen so auch im Flur für frische Luft.

Architektur für Bewegung — Die Laubengänge der Schule am Palmengarten verbinden die Unterrichtsgebäude. Der Wandelgang im Stil eines antiken Portikus bietet bis heute die Möglichkeit zu rhetorischen Übungen: Gedichte können am besten im Gehen gelernt, Dialoge rhythmisiert werden.

Raum für viele Anlässe — Der Mehrzweckbau der Schule am Palmengarten wurde als Aula, Speisesaal und auch als Turnhalle genutzt. Bewegliche Wände erlauben noch heute flexible Raumnutzungen. Die hölzerne Deckenkonstruktion in Form eines umgedrehten Schiffsrumpfs ist typisch für die 1920er Jahre.

Behutsame Erweiterung — Denkmalschutz verpflichtet: Das historische
Verwaltungsgebäude (links) wurde unter Wahrung der Etagen- und Traufhöhe des Vorbildes modern ausgebaut. Der frühere Springbrunnen, einst zur Verbesserung des Klimas auf dem Hof gedacht, dient heute als Pflanzschale für Kräuter und Blumen.

Fotonachweise

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